There is only one race. The human race. – Robert Sobukwe
- Julie
- vor 2 Tagen
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Jedes Jahr gönne ich mir im Winter ein bisschen Sonne. Eine Auszeit, ein Perspektivwechsel, ein Durchatmen. Dieses Jahr bin ich in Südafrika und besuche meinen Onkel - und wie immer hat mich dieses Land tief berührt.
Doch dieses Mal auf eine andere, viel intensivere Weise.
Meine Robben-Island Erfahrung – zwischen Tourismus und tiefer Menschlichkeit
Ich habe die berühmte Robben-Island-Tour gemacht (das Symbolgefängnis der Apartheid, in dem Mandela inhaftiert war). Natürlich ist sie sehr touristisch, mit Bussen, Jahreszahlen und historischen Fakten. Doch das, was mich wirklich bewegt hat, war die Walking Tour im Gefängnis – geführt von Monte, einem ehemaligen Insassen, der von 1977 bis 1987 auf Robben Island inhaftiert war.
Monte sprach nicht über Daten und Statistiken.
Er sprach über Gefühle. Über Angst. Über Hoffnung. Über Menschlichkeit.
Er erzählte, dass bis zu 30 Menschen in einer Zelle eingesperrt waren - mit gerade einmal drei Decken, auf denen sie schlafen mussten. Im Winter war es eisig kalt. Sie arbeiteten in den Kalksteinminen ohne Schutz, wodurch viele ihre Sehkraft verloren und später an Lungenkrankheiten oder Krebs starben.
Ich stand dort, in dieser Zelle, und konnte kaum begreifen, unter welchen Bedingungen Menschen hier gelebt haben – und wie viel Würde sie sich trotzdem bewahrt haben.
Was mich am meisten berührt hat – seine Botschaft an unsere heutige Welt
Der Moment, der mich persönlich am tiefsten getroffen hat, war seine Aussage über unsere heutige Gesellschaft:
„Jeder schaut nur noch nach sich selbst. Menschen sprechen nicht mehr miteinander. Und die Welt beginnt wieder, Menschen nach Rassen einzuteilen.“
Er kannte viele seiner Mitinsassen vorher nicht. Sie kamen aus unterschiedlichen Kulturen, Hintergründen und Überzeugungen. Aber im Gefängnis entstand eine tiefe Verbindung und ein unglaublicher Zusammenhalt.
„Wenn jeder etwas davon mitnimmt, machen wir die Welt zu einem besseren Ort“,
sagte er.
Dieser Satz hat mich nicht mehr losgelassen.
Warum das mein Gästehaus-Konzept so stark prägt
Genau das ist mein Traum mit meinem Gästehaus:
Ich möchte Menschen zusammenbringen.
Ich möchte, dass Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Lebensrealitäten gemeinsam am Frühstückstisch sitzen. Dass sie sich austauschen, voneinander lernen, lachen, diskutieren – und vielleicht mit einem neuen Blick auf die Welt nach Hause fahren.
Für mich ist Gastfreundschaft nicht nur Design, Komfort oder ein schönes Zimmer. Es ist Verbindung. Menschlichkeit. Begegnung.
„There is only one race. The human race.“
Robert Sobukwe, selbst ein Gefangener auf Robben Island, sagte diesen Satz. Und er ist heute vielleicht wichtiger denn je.
Es gibt nur eine Rasse: die Menschheit.
Die zwei Seiten Südafrikas – bitte schaut nicht weg
Viele reisen nach Südafrika und genießen Camps Bay, stylische Restaurants, Cocktails in High Heels mit Blick auf den Ozean – und das ist absolut okay.
Dieses Land ist wunderschön.
Aber es gibt auch eine andere Seite.
Die unzähligen Townships.
Die Armut.
Die Gewalt.
Die Ungleichheit.
Ein Leben ist dort oft wenig wert – und wir als Besucher sehen das oft nicht oder wollen es nicht sehen.
Bitte schaut nicht weg.
Meine Message an euch
Lasst uns bewusster reisen. Lasst uns zuhören. Lasst uns Menschen nicht in Kategorien einteilen. Lasst uns durch unser Verhalten die Welt ein kleines bisschen besser machen.
Vielleicht beginnt Veränderung nicht in großen politischen Systemen – sondern an einem Frühstückstisch, in einem Gespräch, in einem offenen Herzen.
Und vielleicht ist genau das unsere Aufgabe.

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